Der Reiche Jüngling
Und es fragte ihn ein Oberer und sprach:
Guter Meister, was muss ich tun, damit ich das
ewige Leben ererbe?
Fast unmittelbar hintereinander berichtet der Evangelist Lukas von zwei reichen Männern, die Jesus begegnen. Beide sind Obere in ihrer jeweiligen Position. Und doch könnte das Ende beider Begegnungen nicht unterschiedlicher sein. Der reiche Obere – uns als reicher Jüngling bekannt – geht traurig von Jesus weg. Er nimmt den Ruf in die Nachfolge nicht an. Der andere, Zachäus, darf Jesus als seinen Gast mit nach Hause nehmen. Was ist der Unterschied zwischen beiden Reichen?
Der reiche Jüngling spricht die wichtigste Frage aus, die ein Mensch in seinem Leben stellen kann: die Frage nach dem Heil! Doch gleichzeitig weicht er dieser Frage aus, weil er sie nur an den „guten Meister“ stellen will. Er will gar keine Antwort vom Sohn Gottes, sondern will nur eine interessante Unterhaltung mit dem „guten Meister“ über seine intelligente Frage. Er will auch keinen Ruf zur Tat hören, sondern Bestätigung seiner selbst. Da fühle ich mich selber ertappt, denn wie oft geht es mir nur um meine schlaue Frage, aber nicht darum, eine echte Antwort zu bekommen und schon gar nicht, einen göttlichen Befehl zu hören.
Die Einstellung des Zachäus,
des zweiten reichen Mannes,
ist das genaue Gegenteil.
Ihm geht es nicht um „seine“ Frage,
sondern ihn treibt nur eins:
zu sehen wer Jesus ist (
Lukas 19,3 ) .
Zachäus kommt mit leeren Händen
zu Jesus, mit der Haltung der
totalen Offenheit Gott gegenüber.
Nur die leeren Hände kann Gott füllen.
Wer wie der reiche Jüngling mit
seinen eigenen religiösen Vorstellungen
zu Jesus kommen will,
der kann nicht das Geschenk des Heils
entgegennehmen. Und so ist es am Ende
Zachäus, der die Antwort auf die Frage
des reichen Jünglings hört: „Heute
ist diesem Hause Heil widerfahren...“
(
Lukas 19,9 )
Jesus beantwortet die wichtigste Frage in unserem Leben, aber nicht als „guter Meister“, sondern als Sohn Gottes, der uns in die Nachfolge ruft.

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